Shelley Parker-Chan hat mit "She Who Became the Sun: Der Strahlende Kaiser" ein wirklich faszinierendes und emotional packendes Stück historische Fantasy abgeliefert. Die Idee, die reale Gründungsgeschichte der Ming-Dynastie mit einer queeren, düsteren Neuerzählung über Identität und Vorbestimmung zu verknüpfen, hat mich ab der ersten Seite abgeholt.Was mir besonders gut gefallen hat:<ul data-path-to-node="3">Die Protagonistin Zhu: Sie ist der absolute Star des Buches. Ihre unbändige Willenskraft und die radikale Weigerung, das ihr prophezeite "Nichts" zu akzeptieren, machen sie zu einer unglaublich faszinierenden Figur. Sie ist keine klassische, moralisch fehlerfreie Heldin, sondern oft rücksichtslos, pragmatisch und getrieben von purem Überlebenswillen.Die Atmosphäre: Das von Krieg und Hungersnöten geplagte China des 14. Jahrhunderts unter der Mongolenherrschaft wird so plastisch beschrieben, dass man den Staub des Flachlands förmlich schmecken kann. Die Mischung aus historischer Realität und subtiler Magie (wie dem Sehen von Schicksalsflammen) ist meisterhaft gelöst.Die psychologische Tiefe: Auch die Gegenseite, insbesondere der eunuchische General Ouyang, bekommt eine enorme emotionale Komplexität. Es gibt hier kein einfaches Schwarz-Weiß, sondern nur faszinierende, moralische Grauzonen.<p data-path-to-node="5,0">Mein Highlight: Die thematische Auseinandersetzung mit dem Schicksal. Die Frage, ob man den Sternen trotzen kann, indem man einfach die Identität eines Toten annimmt und dessen Größe für sich beansprucht, gibt der Geschichte eine tolle philosophische Tiefe.Warum es "nur" 4 statt 5 Sterne sind:Im Mittelteil verliert das Buch leider ein wenig an erzählerischem Tempo. Während der Einstieg im staubigen Dorf bzw. Kloster und das spätere Finale extrem packend sind, zieht sich das politische Taktieren und militärische Geplänkel im Mittelabschnitt ein ganz klein wenig in die Länge. Hier hätte der Geschichte etwas mehr Straffung gutgetan. Zudem ist die Grundstimmung sehr melancholisch und brutal - das ist definitiv keine "Wohlfühl-Fantasy".Fazit:Ein extrem starker, sprachlich eindringlicher Auftakt zu einer epischen Saga. Wer Lust auf eine erwachsenere, politischere und deutlich düsterere Variante einer klassischen Aufsteiger-Legende hat, wird dieses Buch lieben. Ein toller Start - ich hoffe sehr, dass in den Fortsetzungen die noch offenen, losen Enden der Geschichte genauso packend verknüpft werden!