Pearly Everlasting kennt die Welt außerhalb des Waldes nicht. Sie ist in einem Holzfällercamp aufgewachsen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, gemeinsam mit dem Bären Bruno, der ihr nähersteht, als ein Bruder. Die beiden sind das harte Leben in der rauen Wildnis gewöhnt und streifen durch die Wälder, bis Bruno, angeklagt einen Mann getötet zu haben, gefangen und weggebracht wird. Pearly macht sich auf die lange und gefährliche Suche, ihren Bruder zu retten, selbst wenn sie dafür ihre Heimat verlassen muss... Tammy Armstrong erzählt uns mit "Pearly Everlasting" eine raue, ehrliche Geschichte über die Verbundenheit zur Natur. Sie nimmt uns mit in eine Welt, in der die Uhren noch anders ticken, in der die Moderne noch nicht angekommen ist und alte Mythen noch zwischen den Bäumen hausen. Das Holzfällercamp, in dem Pearly aufwächst, ist verarmt, rau und kalt, doch zwischen den hart wirkenden Menschen herrscht eine beinahe liebevoll ruppige Vertrautheit. Man ist sich der Gefahren der Wildnis bewusst und begegnet der Natur auf Augenhöhe, mit Respekt und Vorsicht. In diesem Klima wächst Pearly auf, als Tochter einer Heilerin, die noch den alten Sitten folgt, und einem Koch. Sie lernt die Wildnis als ihr Zuhause kennen und teilt ihr Leben mit einem Bären, der als Waise im Wald gefunden wurde. Die Autorin schafft es, den Bären nicht zu vermenschlichen und ihn auch nicht als Haustier darzustellen, sondern als wildes Wesen, das eine Verbindung zu einem Menschen eingegangen ist. Pearly und Bruno verbindet eine besondere Freundschaft, doch auch sie weiß zu jedem Zeitpunkt, dass ihr Freund eine Kreatur des Waldes ist und ihr nicht gehört. In diesem Ton erzählt uns Tammy Armstrong von dem ärmlichen, aber nicht unglücklichen Leben der Familie, von alten Mythen und fast vergessener Folklore, von Bedrohungen und heraufziehender Veränderung in den 1930er Jahren, die den Lebensstil der Holzfäller langsam, aber sicher zunichte macht und Pearlys Leben in neue Bahnen lenkt. Die Geschichte bleibt immer fragmentarisch erzählt, lange bleibt offen, wohin sich die Handlung entwickelt. In Ausschnitten begleiten wir Pearly und Bruno von ihrer Kindheit hin zu ihrem größten und verhängnisvollsten Abenteuer, das nur entsteht durch Gier und Vorurteil der Menschen. Für ihren Bruder macht sich Pearly auf die Reise, um ihn zurückzuholen von Menschen, die meinen, dass sie das Recht haben, ihn zu besitzen. Dabei reist sie in eine Welt, die ihr fremd ist, außerhalb des Waldes, wo die Menschen Auto fahren, statt zu reiten, Kleider tragen und ins Kino gehen. Sie lernt Vorurteile und Hass kennen, aber auch Güte von unerwarteter Stelle. Das ganze Buch über bleibt der Ton und die Atmosphäre rau, Pearly denkt nicht mal daran, sich an die Erwartungen der Menschen anzupassen. Sie ist und bleibt ein Wildfang, ihr Herz schlägt im Takt des Waldes, im Einklang mit der Natur. Diesen vermittelt das Buch auch sehr glaubwürdig, ohne die Wildnis zu romantisieren, stattdessen blickt es kritisch und ungeschönt auf die Menschen in ihrer Gier und dem blinden Glauben, die Welt zu besitzen. "Pearly Everlasting" ist immer wieder mysteriös und ungewöhnlich von der ersten bis zur letzten Seite, immer mal wieder ruppig, aber sympathisch und immer ehrlich, eine Geschichte davon, wie Gegensätze aufeinanderprallen und sich die Welt dem Stolz der Menschen nicht kampflos unterwirft.