Der Roman Siebeck - Ein sattes Leben hat die Person Wolfram Siebeck, geboren 1928 und gestorben 2016 vor mir auferstehen lassen. Ich bin in der DDR geboren und aufgewachsen und kannte Herrn Siebeck zuvor überhaupt nicht. Gerade deshalb hat mich das Buch interessiert.
Schon das Cover hat mich angesprochen, gefallen haben mir aber auch das gute, feine Papier und die Fotos.
Mit Neugier und einem Schmunzeln im Gesicht habe ich gelesen, wie Herr Siebeck zu dieser Art Institution des feinen Geschmacks wurde. Er mied einfach, was er nicht mochte und tat, was ihm gefiel und womit er Geld verdienen konnte. So kam er über viele Umwege zu seiner Passion, dem Essen, dessen Zubereitung und dem Schreiben darüber.
Auszüge aus Artikeln von ihm zeigen sein Talent, unterhaltsam und mit spitzer Feder zu loben, zu kritisieren und zu verreißen. Dabei scherte er sich nicht um Widerspruch und Ablehnung.
Nicht ohne Grund war er jahrzehntelang Schreiber für Die Zeit und gastronomische Fachzeitschriften.
Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben. Der Autor, Christoph Wirtz, versteht es, leicht und locker zu parlieren und gewisse Stimmungen einfließen zu lassen. Das hat mir gut gefallen, auch wenn es ab und an Längen gab, wenn der Autor m. E. zu sehr ins Detail ging.
Ich, die Herrn Siebeck und den Kult und Rummel um seine Person nicht kannte, habe durch das Buch eine Ahnung davon, wie dieser Mensch Einfluss auf die Qualität des Essens und das Kochen und Zubereiten von Speisen nahm.
Dabei folgte er unbeirrbar seinen Idealen, ließ sich nicht korrumpieren. Er war ein fleißiger Mensch, ein Snob und er war abgehoben. Dem Geschriebenen zufolge war er aber auch schüchtern und introvertiert. Er war schon eine schillernde Persönlichkeit.
Alles in allem ist das Buch eine wirklich interessante, lebendige und gut zu lesende Biographie. Ich bin froh, sie gelesen zu haben.