Das Buch liest sich sehr flüssig dank dem angenehmen Schreibstil. Es ist klug, stellt den Lesenden zwischen den Zeilen die Frage nach Recht und Gerechtigkeit und hallt nach dem Lesen nach.
Kurz: Die Strafverteidigerin Eva nimmt uns mit in ihren Alltag. Sei es in der gleichberechtigten Ehe mit Themen um den bevorstehenden Ruhestand, Freiheit, Freundschaft etc. oder in den harten Alltag als Strafverteidigerin, welche die Grauzonen des Rechts in- und auswendig kennt und nutzt ohne korrupt oder abgebrüht zu sein.
Grau, grauer, am grausten... die Grauzonen zwischen Moral, Recht, Rechtsgefühl, Wahrheit werden toll dargestellt, juristische Themen werden für Laien interessant dargelegt. Die einzelnen Fälle sind eingebettet in eine Art Roman über Eva und ihren Ehemann Peter. Dies sorgt beim Lesen für eine willkommene Abwechslung. Insbesondere die Tatsache, dass diese beiden Protagonisten im Rentenalter sind verleiht der Geschichte eine gewisse Ehrlichkeit und Tiefe, sie werden sehr authentisch dargestellt.
Interessant verwebt sind einzelne kurze Rückblicke auf bisherige Fälle. So fand ich zum Beispiel faszinierend, wie sie die Justizia bei der Schauspielerin platziert hat und auf die Geschichte, wie Eva zu dieser Figur kam, eingewoben hat. Und gleich mehrere passende Hinweise zum Titel "feine Risse" wurden eingeflochten.
Von mir eine klare Leseempfehlung. Das Buch lässt einem auf unterhaltsame und gleichzeitig tief bewegende Art über Recht und Gerechtigkeit nachdenken, ohne dabei aufdringlich zu sein.