Die nordische Mythologie mit einem Computerspiel in Verbindung zu bringen, ist eine originelle Idee. Bei EDDA handelt es sich aber nicht nur um ein Spiel - dieses online-Game zieht die Spieler tatsächlich ins Geschehen und hat Auswirkungen auf ihr reales Leben.
Jeweils zwei Jungs und Mädchen, die sich im echten Leben noch nie begegnet sind, kämpfen in der Gestalt von nordischen Göttern um ihr Leben. Dass die Spieler nicht immer die gleichen Charaktere verkörpern, sondern diese vor jedem Einsatz neu zugeteilt bekommen, ist ungewöhnlich. Die Akteure selbst wissen vorher auch nicht, welche Gottheit ihr Avatar sein wird. Schade dabei finde ich, dass drei der vier Kinder im Hintergrund bleiben und der Leser kaum was über sie erfährt. Nur Orma bekommt mehr Aufmerksamkeit.
Die Geschichte konzentriert sich auf Pjetur, der in Island lebt und von der nordischen Mythologie fasziniert ist. Er ist gerade dabei einen Stammbaum der nordischen Götter aufzubauen und will dem Geheimnis von EDDA durch Algorithmen auf die Spur kommen. Dabei gerät er in unvorhergesehene Abenteuer in denen die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit ineinanderfließen.
Im Zentrum steht die Frage: Leben heute noch Nachfahren der Asen?
Die Verbindung von Text und Comic ist gut gelungen. Besonders gut gefallen mir die vor jedem Kapitel eingefügten Erklärungen zur Sagenwelt. Dadurch erhält man nützliche Hintergrundinformationen. Der hier gewählte Schreibstil erinnert an antike Sagen und Erzählungen, die altertümliche Schrift passt exakt dazu.
Die Comic-Sequenzen, die für mich Auflockerung waren und den Charakteren ein Gesicht verleihen, fand ich eine gute Idee. Die gelungenen Zeichnungen von Lion Fleischmann passen sehr gut zur Geschichte.
In den Textpassagen tauchen ein paar Ungereimtheiten und Schwachstellen auf, die den flüssigen Lesefluss leider bremsen.
Mein Hauptkritikpunkt ist folgender:
Über viele Seiten entwickelt sich die Geschichte, wird ausführlich, manchmal zu langatmig, erzählt. Das viel zu schnelle abrupte Ende ist ein krasser Gegensatz dazu. Darüber hinaus störte es mich, dass der Abschluss der Erzählung durch ein Comic erfolgt. Hier hätte ich mir ausführliche Beschreibungen gewünscht.
Das eindrucksvolle Buchcover gefällt mir gut. Das Rot im Hintergrund wirkt bedrohlich, die silberfarbene Schrift und der Blitz leuchten bei Lichteinfall.
Gods and Heroes ist ein spannendes und interessantes Jugendbuch, das nicht nur gut unterhält sondern zusätzlich eindrucksvolle Informationen über die nordische Götterwelt übermittelt.