Johann Wolfgang von Goethes Faust entfaltet die Tragödie eines Gelehrten, der an den Grenzen menschlicher Erkenntnis verzweifelt und im Bund mit Mephistopheles nach Erfahrung, Sinn und Überschreitung verlangt. In der Verbindung von Versdrama, philosophischer Dichtung, Volksbuchtradition und moderner Subjektanalyse entsteht ein Werk von enzyklopädischer Weite: Studierzimmer, Hexenküche, Gretchentragödie und metaphysisches Welttheater spiegeln die Spannungen zwischen Aufklärung, Sturm und Drang, Klassik und beginnender Moderne. Goethe arbeitete über Jahrzehnte an Faust; entsprechend bündelt das Werk Erfahrungen eines Autors, der Naturwissenschaft, Politik, Theaterpraxis und europäische Literatur gleichermaßen durchdrang. Seine Weimarer Ämter, seine Beschäftigung mit Morphologie und Farbenlehre sowie seine lebenslange Frage nach Bildung, Tat und Maß prägen die Figur Fausts. Auch persönliche Erfahrungen von Leidenschaft, Schuld und geistigem Ehrgeiz verleihen der Dichtung ihre psychologische Genauigkeit. Dieses Buch empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die Literatur nicht nur als Handlung, sondern als Denkraum begreifen. Faust fordert heraus, belohnt aber mit unvergleichlicher sprachlicher Kraft, dramatischer Intensität und philosophischer Tiefe. Wer die Grundfragen moderner Existenz verstehen will, findet hier einen unverzichtbaren Text.