Ein interessantes Ermittler-Duo mit Milieu-Kontrast, französisches High-Society-Flair.
"Léon und die Frau im blauen Kleid" von Alexander Oetker ist der gelungene Auftakt für eine neue Côte-D'Azur-Krimi-Reihe.Das Cover strahlt richtiggehend - Sonnenschein und Meer - macht Lust auf die Rivièra, auf das 2026 erschienene Buch. Die Handlung erstreckt sich nur über wenige Tage, spielt in der nicht näher bezeichneten Gegenwart. Der Schreibstil ist flüssig, sehr gut beschreibend. Ob Milieu, Ambiente, Kulinarik oder Landschaft - alles wird anschaulich geschildert, französische Ausdrücke unterstreichen das Lokalkolorit.Der Fall selbst ist nicht sonderlich spektakulär. Die Leiche einer jungen, zunächst unbekannten Frau wird an den Strand von Nizza gespült. Interessant sind jedoch die Person des Kommissars und dessen spezielles Umfeld. Denn Compte Léon de Cavallier stammt aus einer stinkreichen adeligen Familie. Er geht als einziger seit vielen Generationen einer echten Arbeit nach, teils aus Idealismus, teils aus Freude am Lösen von Fällen, teils aus Gerechtigkeitsbedürfnis. Der Einblick in das Leben der Superreichen hat etwas Faszinierendes. Zwar empfand ich Léons überhebliche, snobistische Art anfangs als nervig, doch je näher man ihn kennenlernt, desto mehr Sympathiepunkte gewinnt er. Vor allem als dann seine neue Partnerin zum Dienst erscheint, Kommissarin Nadia Bentaleb, eine aus den Vororten von Paris stammende Schwarze, würzen nicht nur die schlagfertigen Dialoge die Handlung, sondern generell das Aufeinanderprallen der Milieus. Denn bald erweist sich, dass die Stärken des einen, die Schwächen des anderen ausgleichen. Sie sind nicht nur ebenbürtige Partner, sie mausern sich zu einem kongenialen Team. Der Mord ist zwar am Ende aufgeklärt, doch sowohl Léon als auch Nadia haben noch Rechnungen offen, Persönliches aus der Vergangenheit zu erledigen ... doch das ist erst Stoff für die Fortsetzung.Es war mein erstes Buch dieses Autors, hat neugierig auf seine anderen Reihen gemacht. Dieser Krimi basiert primär auf den konträren Persönlichkeiten der beiden Kommissare. Darauf, wie die Geschichte mit Léon und Nadia weitergeht, bin ich sehr gespannt. Vorerst spreche ich einmal eine Empfehlung für dieses Buch aus und vergebe 5 Sterne.