~Anathema von Keri Lake~
Meine Meinung:
Schon als ich das erste Mal von Anathema gehört habe, wusste ich, dass dieses Buch genau meinen Geschmack treffen könnte. Ich habe schon Nocticadia von der Autorin geliebt und wusste einfach, dass das gut werden muss. Dazu noch ein düsteres Fantasy-Setting, geheimnisvolle Wälder, uralte Flüche und eine langsame Liebesgeschichte? Und was soll ich sagen? Dieses Buch hat all meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen.
Bereits die ersten Kapitel haben mich vollkommen in ihren Bann gezogen. Keri Lake erschafft eine Welt, die gleichzeitig wunderschön und verstörend wirkt. Alles fühlt sich an wie ein düsteres Märchen der Gebrüder Grimm, voller Geheimnisse, dunkler Legenden und Gefahren, die hinter jeder Ecke lauern. Die Eating Woods haben dabei eine ganz eigene Präsenz entwickelt.
Besonders beeindruckt hat mich das Worldbuilding. Man merkt schnell, wie viel Liebe und Arbeit Keri Lake in diese Welt gesteckt hat. Die verschiedenen Völker, die Magie, die Geschichte und die zahlreichen Begriffe können am Anfang etwas überwältigend wirken, aber genau das hat für mich den Reiz ausgemacht. Ich liebe Geschichten, in die man richtig eintauchen kann, und Anathema verlangt definitiv Aufmerksamkeit. Es ist kein Buch, das man nebenbei liest, sondern eines, in dem man sich komplett verlieren kann. Je weiter ich gelesen habe, desto faszinierter war ich von all den Zusammenhängen und Geheimnissen, die nach und nach enthüllt wurden.
Auch die Charaktere haben mich vollkommen überzeugt.
Maevyth war für mich eine unglaublich starke Protagonistin. Nicht, weil sie ständig allen beweisen muss, wie gefährlich oder unbesiegbar sie ist, sondern weil sie sich trotz allem ihre Güte und ihr Mitgefühl bewahrt hat. Sie wurde ihr ganzes Leben ausgegrenzt und behandelt wie eine Außenseiterin, doch trotzdem hat sie ein großes Herz und kümmert sich um die Menschen, die ihr wichtig sind. Gleichzeitig besitzt sie eine Schlagfertigkeit und einen Mut, die sie unglaublich sympathisch machen. Besonders ihre Loyalität gegenüber ihrer Schwester und ihre Bereitschaft, für andere einzustehen, haben mich sehr berührt.
Und dann ist da natürlich Zevander.
Ich habe eine Schwäche für moralisch graue Charaktere, aber Zevander hat mich wirklich komplett erwischt. Anfangs wirkt er kalt, verschlossen und beinahe grausam. Doch je mehr man über ihn erfährt, desto deutlicher wird, wie viel Schmerz und Einsamkeit sich hinter seiner Fassade verbergen. Seine Vergangenheit hat mich mehrfach das Herz brechen lassen. Gleichzeitig konnte ich gar nicht genug von seinen Szenen bekommen. Diese Mischung aus tödlicher Gefahr, trockenem Humor, unterschwelliger Verletzlichkeit und der Art, wie er sich gegen seine Gefühle wehrt, hat ihn für mich zu einem unglaublich faszinierenden Charakter gemacht.
Die Dynamik zwischen Maevyth und Zevander war für mich eines der absoluten Highlights des Buches. Wenn ein Buch den Begriff Slow Burn verdient, dann dieses. Die Beziehung entwickelt sich unglaublich langsam, aber genau deshalb fühlt sich jeder einzelne Moment zwischen ihnen besonders an. Es gibt keine überstürzten Gefühle oder künstlich erzeugte Romantik. Stattdessen wachsen Vertrauen, Verständnis und Anziehung Stück für Stück. Die Dialoge zwischen den beiden waren oft voller Wortwitz und Spannung, und jedes kleine Zeichen von Nähe hat sich verdient angefühlt. Gerade weil beide so viele innere Kämpfe austragen müssen, war es wunderschön zu beobachten, wie sie langsam beginnen, ihre Mauern einzureißen.
Auch die Nebencharaktere haben mir unglaublich gut gefallen. Viele von ihnen waren so vielschichtig geschrieben, dass ich ständig mehr über sie erfahren wollte. Besonders Rykaia ist mir sehr ans Herz gewachsen. Aber auch die anderen Figuren haben die Geschichte sehr bereichert und dafür gesorgt, dass sich die Welt lebendig und echt anfühlt. Auch die Antagonisten waren spannend geschrieben und oft deutlich komplexer, als man zunächst vermuten würde.
Lediglich der Einstieg verlangt etwas Geduld. Die Welt ist komplex und es gibt viele Informationen, die man zunächst verarbeiten muss. Für mich hat sich diese Geduld jedoch mehr als ausgezahlt, denn je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr entfaltet sich ihre ganze Stärke. Irgendwann war ich vollkommen gefangen und konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Das Ende hat mich schließlich komplett zerstört. Nach all den Entwicklungen, Enthüllungen und emotionalen Momenten bleibt man mit einem gewaltigen Bedürfnis zurück, sofort zum nächsten Band zu greifen. Ich brauche unbedingt Antworten und vor allem mehr von Maevyth und Zevander, aber dafür muss ich leider noch bis November warten
Fazit:
Anathema bekommt von mir 5 von 5 Sternen und hat mir sehr gut gefallen!
Keri Lake hat mit diesem Buch eine düstere, atmosphärische und unglaublich fesselnde Fantasywelt erschaffen, die mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat. Die Mischung aus Gothic Fantasy, Horror, komplexem Worldbuilding, faszinierenden Charakteren und einer der schönsten Slow-Burn-Romanzen, die ich seit Langem gelesen habe, hat mich vollkommen überzeugt. Wer düstere Fantasy, moralisch graue Figuren, intensive Atmosphäre und Geschichten voller Geheimnisse liebt, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Für mich war es wieder ein absolutes Highlight!