Loogh ist eine verschlafene 100-Seelengemeinde in der Vulkaneifel, mit friedlichen und hilfsbereiten Menschen. Doch seit die Wochenend-WG um Alexandre Cameron dort wohnt, scheint es aus mit der Ruhe zu sein. Denn schon wieder wird dort ein Toter aufgefunden, der Bosnier Rafael Novak liegt erschossen auf dem Dorfplatz. Natürlich kann Polizeihauptkommissar Leo Werner nicht verhindern, dass Alex wieder auf eigene Faust mit Ermittlungen beginnt. Noch ahnt sie nicht, dass sie dieses Mal selbst in große Gefahr geraten wird
Mit diesem Krimi hat die Autorin Jo Ann Martin einen Folgeband zu ihrem begeisternden Erstlingswerk Tod unter Wacholdern geschrieben, der sich vor diesem nicht verstecken muss. Die Story führt uns dieses Mal auch raus aus der Eifel, das Marseille von heute und Bosnien zu Beginn des Bürgerkriegs sind Schauplätze wichtiger Ereignisse. Dabei erzählt uns die Autorin sehr viel über den organisierten Waffenhandel und den Beginn des Bruderkrieges im zerfallenden Jugoslawien. Besonders diese Szenen machen betroffen, beschreiben sie doch mit einer beeindruckenden Intensität, wie aus friedlich miteinander lebenden Menschen aller ethnischen und religiösen Richtungen plötzlich hasserfüllte Konfliktparteien entstehen können und sich seit Kindesbeinen befreundete Gruppen sich dann gegenseitig bestialisch ermorden. Die persönlichen Rückblicke einer Hauptperson machen einem die damaligen Ereignisse, die man ja oft grob kennt, sehr bildhaft und schmerzlich bewusst.
Aber auch die Rivalität zwischen den verschiedenen Polizeidienststellen wird klasse beschrieben und könnte zum Schmunzeln verführen, wenn die Realität nicht so traurig wäre.
Zu guter Letzt möchte ich noch die Ausarbeitung der Charaktere loben, bei ihnen kommen Stolz, Hilfsbereitschaft, Hochmut, Eitelkeit, Hilflosigkeit, Raffinesse und Kaltblütigkeit, kurz das ganze Spektrum des Menschen und keine stereotypischen Helden und Opfer zum Vorschein.
Ich freue mich auf alle Fälle, falls es in der Eifel weiter kriminell (natürlich nur im Buch) zugeht!