Drei Geheimnisse, ein Dreh ¿ und doch kein großer Wurf
Man kommt zu William Boyd zurück wie zu einem alten, verlässlichen Wirtshaus: Man weiß, dass gut eingeschenkt wird, dass die Bedienung Charme hat und dass am Ende des Abends niemand enttäuscht den Heimweg antritt. Auch Trio hält sich an diese stillschweigende Übereinkunft - nur dass man diesmal eben zufrieden, aber nicht beschwingt vor die Tür tritt.Der Schauplatz ist denkbar boydesk: Brighton im Sommer 1968, jenem Jahr, in dem die Welt draußen lichterloh zu brennen scheint, während drinnen an der Seebrücke eine luftige Filmkomödie abgedreht wird, deren größte Sorge das richtige Wetter und das richtige Budget ist. Aus diesem Kontrast - die Epoche kocht über, das Kino dreht Schwank - hätte ein furioses Buch werden können. Boyd begnügt sich stattdessen mit einer feinen, fast beiläufigen Ironie, die selten zur eigentlichen Spannung erstarkt.Im Zentrum stehen, der Titel verspricht es, drei Figuren, von denen jede ein doppeltes Leben führt: der Produzent, der die Trümmer der Produktion ebenso zusammenhält wie die seiner eigenen Existenz; die amerikanische Hauptdarstellerin, deren glänzende Oberfläche von einem unbequemen Vorleben unterhöhlt wird; und die schreibblockierte Romanautorin, die ihren Mangel an Roman mit reichlich Hochprozentigem kaschiert. Boyd verschränkt diese drei Stimmen mit der Souveränität eines Mannes, der sein Handwerk im Schlaf beherrscht - jeder hütet sein Geheimnis, und der Reiz des Buches liegt zunächst darin, wie elegant diese verborgenen Innenwelten gegen die hektische Fassade des Filmsets geschnitten sind.Und doch: So kunstvoll die Konstruktion, so wenig will der Funke recht überspringen. Das liegt weniger an Boyd als an seinem Sujet. Der Film, um den sich alles dreht, ist - das ahnt man von der ersten Seite an - ein potenzieller Flop, ein vergessenswertes Stück Zelluloid, und so sehr der Autor sich müht, scheint diese eingebaute Belanglosigkeit auf das Buch selbst abzufärben. Wo seine früheren Romane einen mit ruhiger Gewalt durch die Jahrzehnte zerrten, plätschert Trio angenehm dahin. Man liest weiter, gewiss, aber man muss nicht.Was bleibt, ist der typische boydsche Humor, der immer wieder trocken durch die Zeilen blitzt, und die schlichte Freude an einem Satzbau, der nie ins Stocken gerät. Die Figuren sind klug gezeichnet, ihre Geheimnisse plausibel, ihre kleinen Katastrophen menschlich. Das ist mehr, als die meisten Romane bieten - nur eben nicht das, was man von einem der zuverlässigsten Erzähler der englischen Gegenwartsliteratur gewohnt ist.So bleibt Trio das Paradox eines gut gemachten Buches, das seine eigene Mittelmäßigkeit nicht überspielen kann, weil sie in seinem Stoff selbst angelegt ist. Wer Boyd liebt, wird auch hier vieles wiedererkennen und manches genießen. Wer ihn noch nicht kennt, beginne besser anderswo. Es ist, mit einem Wort, ein guter Roman - und für einen Boyd ist das beinahe schon eine kleine Enttäuschung.