Ein sehr kurzes, leises Buch über Gewissen, Wegsehen und Menschlichkeit ¿ und am Ende ein historischer Schlag in die Magengrube.
Ich wusste zuerst nicht recht, was ich mit diesem Buch anfangen soll. Es ist sehr kurz, ruhig erzählt und hat diesen leicht pathetischen Weihnachtston: Irland, Kälte, Armut, Kinder, Familie, Gewissen. Fast ein bisschen wie Dickens, aber viel knapper und stärker verdichtet.Im Zentrum steht Bill Furlong, ein Mann, der merkt, dass etwas nicht stimmt. Gerade das fand ich stark: Es geht nicht um große Heldentaten, sondern um die Frage, ob man wegschaut oder handelt. Die Gesellschaft schweigt, viele haben Angst, niemand will sich mit den falschen Leuten anlegen. Und Furlong braucht auch Zeit. Aber irgendwann kann er nicht mehr so tun, als hätte er nichts gesehen.Gerade diese kleinen Dinge machen das Buch aus. Ein Blick, ein Gespräch, ein Kind, ein Weihnachtswunsch, ein Moment des Zögerns. Nach und nach merkt man, dass hinter dieser leisen Geschichte etwas viel Größeres und Schrecklicheres steht.Ich will nicht zu viel verraten, weil die Wirkung des Buches auch davon lebt, dass man es selbst entdeckt. Aber die Nachbemerkung der Autorin hat mich wirklich erschüttert. Da wird klar, dass hinter dieser fiktiven Geschichte eine reale historische Katastrophe steht.Für mich ist das kein großes, ausuferndes Buch, sondern ein konzentriertes moralisches Buch. Es zeigt, wie schwer es sein kann, nicht wegzusehen ¿ und wie groß eine kleine Handlung sein kann.