Schöne Novelle für besinnliche Stunden in der Vorweihnachtszeit oder um an den Festtagen runter zu kommen.
Als ich Holly bei NetGalley entdeckt habe, musste ich das Buch einfach mir holen. Ich mochte die Belladonna-Reihe unglaublich gerne und fand die Vorstellung schön, noch einmal nach Wisteria zurückzukehren und ein letztes Mal Zeit mit den Figuren zu verbringen.Im Nachhinein bereue ich allerdings eine Sache: dass ich dieses Buch mitten im Sommer gelesen habe.Denn ganz ehrlich? Holly schreit förmlich nach einem kalten Winterabend, eingekuschelt in eine Decke, Weihnachtslichtern und einem heißen Tee oder heißen Schokolade - gerne auch mit Schuss. Deshalb steht die Novelle jetzt schon auf meiner Leseliste für den Winter 2027, denn ich möchte diese Geschichte unbedingt noch einmal zur passenden Jahreszeit erleben. Gleichzeitig inspiriert das Buch auch, sich liebe beim schmücken und der richtigen Stimmung zu geben, da es so cozy klingt.In der Geschichte treffen wir wieder auf Signa und Sylas, Blythe und Aris sowie Elijah. Endlich scheint in Wisteria ein wenig Ruhe eingekehrt zu sein. Niemand liegt im Sterben, niemand wird vom Tod geholt und eigentlich sollte dieses Weihnachtsfest einfach nur schön werden. Vor allem Blythe setzt alles daran, dass diesmal alles perfekt läuft. Mit jeder Menge Stechpalmenzweigen versucht sie sogar noch die letzten bösen Geister fernzuhalten.Natürlich wäre es keine Geschichte, wenn alles genau nach Plan laufen würde.Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass die Novelle mehrere kleine Spannungsbögen besitzt. Zum einen gibt es wieder ein Rätsel, das sich durch die Handlung zieht und dafür sorgt, dass man unbedingt wissen möchte, was eigentlich vor sich geht. Zum anderen war ich aber mindestens genauso neugierig darauf, welche Weihnachtsgeschenke die Figuren füreinander ausgesucht haben. Und dann wäre da noch Aris, der zunehmend verzweifelt versucht, das perfekte Geschenk zu finden, was auch noch selbstgemacht ist. Das klingt nach einer Kleinigkeit, hat mich aber tatsächlich die ganze Zeit begleitet und immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Daran sieht man, wie sehr er, Blythe liebt.Generell hat sich das Lesen ein bisschen angefühlt wie ein Besuch bei alten Freunden. Die Figuren haben nichts von ihrem Charme verloren, die Dynamik zwischen den Paaren funktioniert noch genauso gut wie in den vorherigen Bänden und besonders die Beziehung zwischen Sylas und Aris sorgt immer wieder für unterhaltsame Momente. Ein Schmunzeln auf dem Lippen ist garantiert.Adalyn Grace bleibt dabei ihrem bekannten Schreibstil treu. Die Geschichte liest sich angenehm leicht weg, das Worldbuilding ist erneut wunderschön umgesetzt und die Charaktere wirken nach wie vor lebendig. Sprachlich ist das Buch dabei nicht besonders außergewöhnlich oder experimentell, aber das muss es auch gar nicht sein. Es erfüllt genau den Zweck, den es erfüllen möchte: ein paar gemütliche Stunden in einer Welt zu verbringen, die viele Leserinnen und Leser längst ins Herz geschlossen haben.Mein persönliches Highlight waren allerdings die Illustrationen.Und ich glaube, genau deshalb, weil sie für mich viel mehr sind als nur hübsche Bilder. Oft tauchen sie nach einem Abschnitt auf und wirken wie ein eingefrorener Moment von dem, was man gerade gelesen hat. Man hält automatisch kurz inne, schaut sich die Zeichnung an und erlebt die Szene visuell. Gleichzeitig verraten die Illustrationen nie zu viel. Im Gegenteil: Sie machen eher neugierig darauf, wie die Geschichte an dieser Stelle weitergeht.Hätte ich dieses Buch in einer Buchhandlung in die Hand genommen und einfach nur durchgeblättert, hätten mich die Illustrationen vermutlich schon dazu gebracht, es mit nach Hause zu nehmen. Für mich fühlen sie sich wie ein kleines zusätzliches Weihnachtsgeschenk an. Nicht, weil sie besonders groß oder spektakulär wären, sondern weil man merkt, dass hier jemand mit Liebe gearbeitet hat. Dass sich Gedanken gemacht wurden. Und genau das macht für mich auch ein gutes Weihnachtsgeschenk aus: Es muss nicht teuer oder riesig sein, aber man merkt, dass es von Herzen kommt. Und dies ist eine der Kernaussagen auch aus dem Buch.Als Einstieg in die Belladonna-Reihe würde ich Holly allerdings nicht empfehlen. Dafür setzt die Geschichte einfach ein wenig Vorwissen voraus und nimmt gleichzeitig einige Entwicklungen der vorherigen Bände vorweg. Wer die Reihe jedoch bereits gelesen hat, bekommt hier ein wunderbares Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren und einen stimmungsvollen Abschluss, der besonders zur Weihnachtszeit perfekt funktioniert.Für mich ist Holly eine rundum gelungene Weihnachtsnovelle, mit toller Message, die mich noch einmal zurück nach Wisteria geführt hat und mir einige sehr schöne Lesestunden beschert hat. Auch wenn ich sie eindeutig zur falschen Jahreszeit gelesen habe.