Ich habe mich wirklich unglaublich auf "Wycherleys - Die Debütantin" von Annaliese Avery gefreut. Allein das Cover ist ein absoluter Traum und verspricht genau diese Art von magischen, romantischen Lesestunden, die ich eigentlich liebe.Leider fiel mir der Einstieg dann deutlich schwerer als erwartet. Das lag vor allem am Schreibstil, der die Epoche zwar wunderbar einfängt, für mich aber stellenweise fast schon zu atmosphärisch war. Viele lange Schachtelsätze, sehr förmliche Dialoge und eine insgesamt recht hochgestochene Sprache haben mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen. Dadurch kam ich leider nur recht langsam voran und gerade der Mittelteil zog sich für mein Empfinden zu sehr.Erst gegen Ende wurde ich dann wieder neugieriger und wollte unbedingt wissen, was hinter den ganzen Geheimnissen steckt.Trotzdem gab es auch einige Dinge, die mir richtig gut gefallen haben.Allen voran Aurelia. Sie ist eine mutige, gewiefte junge Frau, die sich nicht kleinmachen lässt und trotz ihres Schicksals nicht in Selbstmitleid versinkt. Stattdessen geht sie erhobenen Hauptes ihren Weg und versucht selbst Antworten zu finden. Das habe ich wirklich bewundert. Gerade in Jugendbüchern wünsche ich mir mehr solcher Figuren, zu denen man aufschauen kann. Aurelia wartet nicht darauf, gerettet zu werden, sondern recherchiert selbst, löst Rätsel und bringt die Handlung aktiv voran. Das fand ich richtig klasse.Natürlich bekommt sie dabei Unterstützung von Jules Knightly, der zunächst ihr Gegner, später aber ihr ihr Verbündeter ist. Und ja, ich mochte ihn durchaus. Charmant ist er definitiv. Allerdings tauchte er deutlich seltener auf, als ich gehofft habe. Teilweise vergehen Wochen und ganze Kapitel, ohne dass er eine Rolle spielt, und dadurch konnte sich die Dynamik zwischen den beiden für mich nicht ganz so entfalten, wie ich es mir gewünscht hätte.Die Anziehung war zwar vorhanden, aber das große Knistern habe ich persönlich nicht gespürt. Wobei man natürlich auch berücksichtigen muss, dass es sich um ein Jugendbuch handelt und vieles eher dezent erzählt wird. Umso lustiger fand ich dann, dass manche Liebeserklärungen gegen Ende fast schon wieder ein kleines bisschen zu viel des Guten waren.^^Was mich ebenfalls zwiegespalten zurücklässt, ist die eigentliche Handlung. Die Rätsel rund um die ermordeten Hexen fand ich durchaus spannend und da blitzte immer wieder das Potenzial der Geschichte auf. Gleichzeitig gab es aber auch viele Passagen, die sich für mich gezogen haben. Es wurde sehr ausführlich über Bälle, Kleider, Schmuck und gesellschaftliche Verpflichtungen gesprochen und ich habe ich gemerkt, dass mich genau diese Szenen eher langweilen als fesseln.Deshalb bin ich aktuell auch noch unschlüssig, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde. Das Potenzial ist definitiv da und gerade gegen Ende wurde es interessanter. Aber insgesamt konnte mich die Geschichte nicht ganz so verzaubern, wie ich es mir erhofft hatte. Trotzdem hatte das Buch seinen ganz eigenen magischen Charme und wer historische Fantasy mit Magie, Gesellschaftsdebütantinnen und einer Prise Spurensuche mag, könnte hier seine Freude haben.