4,5¿ | Ich muss zugeben, dass ich mit gemischten Gefühlen an das Buch herangegangen bin - einerseits hatte ich recht hohe Erwartungen, da ich so viel Gutes über das Buch gehört hatte, andererseits war ich auch schon ein wenig darauf eingestellt enttäuscht zu werden, da ich bei Geschichten, die den Lesenden vermeintlich offenbaren wollen, worauf es im Leben inmitten unserer leistungsgetriebenen Gesellschaft tatsächlich ankommt, häufig schnell genervt bin. Mit diesem Disclaimer vorweg kann ich voller Begeisterung (und Erleichterung) sagen, dass mirStatt aus dem Fenster zu schauenwirklich extrem gut gefallen hat und mich einfach genau da abholen konnte, wo ich gerade stehe.Ich kann mir gut vorstellen, dass die Geschichte einen zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Situation finden muss, um ihre Messages wie beabsichtigt zu überbringen. Wie bereits erwähnt, habe ich sonst eher Schwierigkeiten mit Geschichten, die "mitten aus dem echten Leben¿ erzählen - ich habe oft das Gefühl, dass sie entweder zu banal sind, als dass ich etwas aus ihnen ziehen kann, oder sie schnell bevormundend und heuchlerisch wirken. Für mich hatte dieses Buch aber wirklich das perfekte Timing und hat genau die richtigen Knöpfe gedrückt.Es war extrem entschleunigend und hat mich immer wieder zum Nachdenken und Anhalten angeregt. Besonders gut haben mir die Beschreibungen des Leben auf dem Land und die Renovierungsprozesse sowie die vielen kleinen Bemerkungen, die Sophies Veränderung deutlich machen, gefallen. Ich habe auch wirklich lange nicht mehr so viel in einem Buch markiert.Spannend fand ich dabei auch, wie sich der Erzählstil neben der Story mitentwickelt - zu Beginn wirkt alles eher hektisch und durcheinander, sodass ich ein gutes Drittel über nicht einmal sicher war, ob mir das Buch überhaupt gefallen wird, aber mit Sophies eigener Entwicklung wurde auch die Erzählung ruhiger und nachvollziehbarer, bis sie ihr passendes Tempo gefunden hat.Es gibt zwar durchaus einige unrealistische Aspekte in der Geschichte, aber für mich hat trotzdem alles gut funktioniert. Dadurch, dass sich Sophie in einem Selbstfindungsprozess befindet, bei dem sie sich immer wieder selbst überrascht und hinterfragt (und auch durchaus impulsiv, quasi schon leichtsinnig handelt), war ich auch, nachdem ich den ersten etwas schleppenden Teil überwunden hatte, trotz der langsamen Handlung nie gelangweilt. Schön fand ich auch, dass das Ende nicht völlig überutopisch, sondern recht "normal¿ und realistisch ist.Unabhängig vom Alter kann ich das Buch allen empfehlen, die sich manchmal im lauten, schnelllebigen und fordernden Alltag verloren fühlen und bereit für ein entschleunigendes Leseerlebnis sind, das voller kleiner Reminder zum Leben (das Verb, nicht das Nomen :)) steckt. Dabei möchte ich es aber vor allem denjenigen ans Herz legen, die sich in ähnlichen Lebenssituationen wie die Protagonistin befinden. Mir hat das Buch einfach zum passenden Zeitpunkt genau das Richtige gegeben und ich hoffe, dass es andere Leser:innen vielleicht auch dazu anregen kann, sich mal auf die andere Seite des Fensters zu wagen, statt aus dem Fenster zu schauen.Vielen Dank an pola und NetGalley für das Rezensionsexemplar.