Cover & Klappentext
Das Cover des finalen Bandes unterscheidet sich zu Teil eins in erster Linie durch die Farbgebung. Der helle Hintergrund symbolisiert das Licht und passt damit perfekt zur Story, dennoch wirkt es auf mich nicht so ansprechend.
Das ist aber kein Problem, schließlich kommt es auf den Inhalt an. Und hier kann der Klappentext punkten. Er hat mich noch neugieriger gemacht, dabei war ich schon gespannt, wie es nach Band eins weitergeht.
Meinung
Ein Krieg bahnt sich zwischen den Nachtelfen und den Menschen an, obwohl eine gemeinsame Bedrohung in der Dunkelheit lauert. Aus der Sternenkluft kriechen immer mehr Mondschleicher, die es auf Beute abgesehen haben.
Die einzige Hoffnung ist ein Magier, der das Problem ein für alle Mal beseitigen könnte. Doch Magier wurden damals nicht umsonst ausgerottet. Sie gelten als unberechenbar und machthungrig. Dennoch wollen die Menschen und die Nachtelfen ihn auf ihrer Seite wissen.
Gleichzeitig müssen Zelie und Aries inmitten dieser bedrohlichen Lage erkennen, dass sie niemals eine Chance hatten, oder?
Der Fokus liegt, bis auf den Epilog, erneut auf Zelie und Aries.
Ich hätte mir zwar eine kleine Zusammenfassung gewünscht, um schneller in das Geschehen zu finden, aber es hat sich herausgestellt, dass es nicht zwingend notwendig war. Die Autorin hat mit geschickten Andeutungen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, kleine Erinnerungsbrücken gebaut, sodass ich nicht erst überlegen musste, was alles passiert war.
Der finale Band knüpft nahtlos an den ersten Teil an, trotzdem hatte ich das Gefühl, wieder am Anfang zu stehen, was die beiden Hauptprotagonisten betrifft. Dabei geht es nicht einmal darum, auf welcher Seite wer steht.
Aber der ehemalige Waffenstillstand hat eine Verbundenheit hervorgebracht, die beide nicht langfristig leugnen konnten. Und so trat die zaghafte Verbindung, die ich zu beiden Charakteren im ersten Teil aufgebaut habe, langsam wieder zutage. Zum Glück, denn sie haben es mir in Band eins nicht leicht gemacht. Das hätte ich ungern verloren.
Doch es geht weniger um Zelie und Aries und ihre Gefühle füreinander. Sie wirken eher als Sprachrohr, was ich sehr interessant fand. Die Autorin hat die beiden genutzt, um ihre Botschaft zu übermitteln. Zumindest kam es mir so vor. Und das ist ihr toll gelungen.
Die Entwicklung, insbesondere von Zelie, hat mich nachhaltig begeistert. Hier wurde ihre weiche Seite deutlich. Aber auch Aries wirkte viel nahbarer. Gleichzeitig blieben beide ihren Werten treu, auch wenn sich Prioritäten etwas verlagerten. Das wurde authentisch dargestellt.
Wie schon im ersten Teil brilliert die Autorin mit einem außerordentlichen Schreibstil. Ich kann mich nur wiederholen. Er ist nicht vordergründig geschmeidig und flüssig, sondern ein wenig kantig. Man meint, jeden Moment im Lesefluss unterbrochen zu werden, dabei gleitet man über die Hindernisse hinweg. Er hat mich ein wenig an einen Bachlauf erinnert, der über glatt geschliffene Kiesel fließt. Sehr beeindruckend.
Während ich zu Beginn der Dilogie noch einige Längen angemerkt habe, sind diese im Finale nicht mehr zu finden. Trotzdem ist das Tempo nicht so hoch, dass man das Gefühl hat, durch die Story zu rasen. In einzelnen Szenen wurde geschickt die Geschwindigkeit gedrosselt. Vielleicht als kleine Erholungsphase nach einer Spannungsspitze. Das erleichtert dem Leser, die bedrückende Stimmung etwas besser zu verkraften. Zusätzlich hätte man auch auf diese Art Schlüsselszenen stärker hervorheben können. Die gingen leider nach wie vor etwas unter.
Das Finale ist meines Erachtens nach deutlich stärker als Band eins. Aber eine Geschichte ist nichts ohne ein entsprechendes Ende. Und damit meine ich keineswegs ein Happy End. Es ist die Art und Weise, wie man die erschaffene Welt wieder verlässt.
Hier hätte ich mir einen weicheren Abschluss gewünscht. Das hätte mich auch endgültig mit den zu Anfang schwer greifbaren Hauptprotagonisten versöhnt.
Fazit
Die Autorin hat hier ein grandioses Werk erschaffen, das locker mit meiner hohen Erwartungshaltung mithalten konnte. Dabei überzeugt sie mit einem hohen Spannungs- und Unterhaltungslevel, in der die Emotionen keineswegs zu kurz kommen, sowie sehr viel Tiefgang. Ein wahrer Pageturner.
Allerdings bin ich nicht so sicher, ob ich die Story als Romantasy bezeichnen würde. Sie hat zwar ihre Momente, aber der romantische Anteil ist lediglich unterschwellig wahrzunehmen. Dessen sollten sich zukünftige Leser bewusst sein.
Ich vergebe viereinhalb von fünf Sternen, erhöhe jedoch auf knappe fünf, und eine klare Leseempfehlung.