Ein berührende Roman über Neuanfänge, Glaubenskrisen und Wunder. Selbst in den stürmischen Zeiten unseres Lebens wirkt Gott.
Call My Waves hat mich sofort neugierig gemacht. Die Geschichte spielt in Cuxhaven - und alles, was mit dem Meer zu tun hat, zieht mich ohnehin direkt in seinen Bann.Der Roman ist ein sogenannter Faithful New Adult-Roman. Schon nach wenigen Seiten war ich mitten in der Geschichte und konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen.Die Hauptfigur Viola hat in ihrem Leben einige schwere Hürden zu meistern. Als junge Frau lernt sie während einer Freizeit in Cuxhaven Laurin kennen. Er gefällt ihr sofort. Obwohl sie weiß, dass er nicht gläubig ist, fasst sie mutig einen Entschluss: Sie spricht ihn an und fragt ihn, ob sie ihn näher kennenlernen darf und ob sich vielleicht mehr zwischen ihnen entwickeln könnte.Diesen Moment fand ich unglaublich stark, mutig und sympathisch. Doch das Gespräch nimmt eine unerwartete Wendung, denn Laurin erzählt ihr, dass er bereits eine Freundin hat.Dann folgt ein großer Zeitsprung: Sieben Jahre später begegnen wir den beiden erneut. Viola hat ihren bisherigen Job aufgegeben und wagt einen kompletten Neuanfang.Zur gleichen Zeit erhält Laurin eine geheimnisvolle Flaschenpost. In der Nachricht wird er von einem anonymen Absender gefragt, ob er an Wunder glaubt. Zusammen mit der Botschaft findet er Koordinaten, denen er nachgeht. Doch die Flaschenpost bleibt nicht die einzige - immer wieder erhält er neue Nachrichten und beginnt sich zu fragen, wer dahintersteckt.Viola wiederum beginnt eine neue Arbeitsstelle in einem Tagungshaus in Cuxhaven. Werden die beiden sich wiedersehen? Und wenn ja - was wird dann passieren?Das Buch hat von der ersten Seite an ein angenehm flottes Tempo, das ich sehr mag. Mit den vielen Namen kam ich anfangs zwar etwas durcheinander, weil sowohl Violas als auch Laurins Familien und Bekannten eine Rolle spielen. Doch das hat meinem Lesegenuss keinen Abbruch getan.Besonders berührt hat mich das Thema der Wunder. Ich selbst glaube fest daran, dass Gott auch heute noch Wunder tut. Gerade wenn man schwere Zeiten erlebt, kann man leicht denken, dass es keine Wunder mehr gibt. In diesem Buch dem Thema wieder zu begegnen, hat auch in mir etwas berührt. Es hat mir Mut gemacht, weiterhin darauf zu vertrauen: Für Gott ist nichts unmöglich.Viola hadert nach schmerzhaften Erfahrungen mit ihrem Glauben. Früher war Gott für sie selbstverständlich. Sie arbeitete in der Freizeitarbeit mit und hielt sogar Andachten. Doch nach all den Tiefschlägen fühlt sich Gott weit entfernt an. Sie hat das Gefühl, von ihm vergessen worden zu sein und betrachtet ihn eher aus der Distanz.Genau darin liegt eine große Stärke dieses Romans: Er erzählt ehrlich von Glaubenszweifeln, von Verletzungen und von der Frage, wie man Gott noch vertrauen kann, wenn das Leben anders läuft als erhofft.Ein weiteres großes Thema des Buches ist die Vergebung. Sie wird von unterschiedlichen Seiten beleuchtet und unglaublich lebensnah dargestellt. Dadurch kann sich vermutlich jeder Leser in der einen oder anderen Situation wiederfinden.Ein Zitat aus dem Buch hat mich besonders bewegt: "Weißt du, ich glaube, deine Löwengrube ist im Moment dein Kopf. Lass Gott doch vielleicht die Mäuler dieser ganzen Gedanken zuhalten und warte ab, was passiert."Was für ein starker Gedanke! Wie oft sind unsere eigenen Gedanken die größte Löwengrube, in der wir gefangen sitzen.Auch die Atmosphäre des Buches hat mich begeistert. Cuxhaven wird so liebevoll beschrieben, dass sich das Lesen wie ein kleiner Urlaub am Meer anfühlt. Besonders schön fand ich außerdem die Zitate zu Beginn jedes Kapitels, die perfekt zur Geschichte passen und zum Nachdenken einladen.Mein Fazit:Call My Waves von Tiana Kiel ist ein berührender Roman über Neuanfänge, Wunder, Glaubenszweifel, Vergebung und die Hoffnung, dass Gott auch in den dunkelsten Zeiten noch wirkt. Eine Geschichte, die unterhält, bewegt und Mut macht, weiterhin an Wunder zu glauben.Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.