The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro ist ein ungewöhnlicher Auftakt, der Fantasy, Science Fiction und japanisch inspirierte Mythologie miteinander verbindet. Rainshadow City ist eine faszinierende Welt voller Gegensätze. Zwischen futuristischer Technologie, künstlicher Intelligenz, alten Legenden, Drachen und Sonnengeistern entsteht ein Setting, das sich von vielen bekannten Fantasywelten abhebt.
Der Einstieg war für mich zunächst etwas anspruchsvoller, da viele Figuren, Hintergründe und gesellschaftliche Strukturen eingeführt werden. Doch je mehr sich die einzelnen Handlungsstränge miteinander verbinden, desto stärker entfaltet die Geschichte ihre besondere Atmosphäre.
Im Mittelpunkt stehen die Wahlgeschwister Toshiko, Jun und Mei, die in einer von Armut und Korruption geprägten Stadt ums Überleben kämpfen, sowie Haru, der junge Sohn der Kaiserin, und Theo, der zwischen schwierigen Entscheidungen und gefährlichen Verpflichtungen steht. Besonders gefallen hat mir, dass die Figuren nicht einfach in klassische Rollen passen. Sie haben eigene Konflikte, Fehler und Wünsche, wodurch ihre Entwicklungen nachvollziehbar bleiben.
Das Worldbuilding ist für mich die große Stärke des Romans. Naomi Ishiguro verbindet Magie und Technik auf eine interessante Weise und erzählt gleichzeitig von Macht, Ungleichheit und der Suche nach einem besseren Leben. Die Einflüsse japanischer Mythologie verleihen der Geschichte eine besondere Stimmung, die zwischen märchenhaften Momenten und düsteren gesellschaftlichen Themen wechselt.
Der Schreibstil ist bildhaft und atmosphärisch, wodurch Rainshadow City und ihre Bewohner sehr lebendig wirken. Die vielen Perspektivwechsel geben einen umfassenden Blick auf die Handlung, bremsen das Tempo aber stellenweise etwas aus.
Insgesamt ist The Rainshadow Orphans ein ideenreicher Reihenauftakt mit einer außergewöhnlichen Welt, interessanten Figuren und vielen spannenden Ansätzen. Nicht jeder Handlungsstrang entwickelt sich sofort, doch die Kreativität und die besondere Mischung aus Fantasy und Science Fiction haben mich überzeugt. Ich bin gespannt, wohin die Geschichte in den nächsten Bänden führt.