Wunderbar gelesen, eine ergreifende Geschichte, beruhend auf historischen Fakten. Absolute Hörempfehlung.
Bis vorgestern kannte ich weder Katrin Zipse als Autorin noch kannte ich den Roman ¿Moosland¿. Es war diesmal kein Tipp auf Instagram, der mich zum Kauf verleitete, es war die Rezension des Buches in der FAZ vom letzten Donnerstag (18.6.26). Mein SuB wächst ständig, aber bei Hörbüchern hatte ich noch ein Plätzchen frei und begann sofort nach der Zeitungslektüre mit dem Hören. Und war mit den ersten Sätzen im Bann dieser Geschichte, die schon fast 80 Jahre zurückliegt. Die Autorin gibt im Nachwort interessanten Einblick in die historischen Fakten, das Buch selbst ist eine Fiktion. Und doch hatte ich bei Hören das Gefühl, diese Geschichte wäre so oder ähnlich passiert. Nach Kriegsende baten die Bauern auf Island um Hilfe, der Krieg hatte die Demografie ordentlich durcheinandergerüttelt und sie hofften, dreihundert junge Frauen würden helfen, das Defizit zu verringern. Dass diese jungen Frauen aus Deutschland überhaupt nicht vorbereitet waren auf das Leben und Arbeiten auf Island, dass sie die Sprache nicht verstanden und nicht einmal dem Klima angemessene Kleidung besaßen, das interessierte weder die isländischen Bauern noch die deutschen Beamten, Hauptsache, die Frauen waren jung, gesund und entnazifiziert.Elsa ist eine von diesen 300 Frauen, die nach dem Schiff Elsy, mit dem sie anlandeten, die Elsy-Frauen genannt wurden. Sie wurden verteilt auf weit voneinander entfernt liegende Gehöfte, der Empfang war nicht gerade herzerwärmend. Und so ist der erste Eindruck, den Elsa hat, nachdem sie von ihrer Freundin Gerda getrennt auf den Hof einer Familie gebracht wird: ¿Bauer, Bäuerin, zwei Söhne. So hat es geheißen. Und ein Knecht. Der hat sie hergebracht. Die Frau mustert sie kurz, dann dreht sie sich zurück zum Herd und rührt weiter in ihrer Pfanne. Die Männer am Tisch regen sich nicht.¿Es dauert eine Weile, bis Elsa überhaupt versteht, was sie tun und lassen soll, die Bäuerin wird bis weit in den Roman hinein immer nur ¿die Frau¿ sein, der Bauer ein stieseliger Griesgram, die beiden Brüder heißen Ólafur und Skúli, der Knecht Halldór. Zwischen den Brüdern entsteht ein leiser Wettbewerb um Elsa, sie versucht, so gut es geht, beiden auszuweichen. Aber gar nicht selten braucht sie auch die Hilfe der zwei und nimmt sie auch freiwillig an. Das Sprache lernen ist so schwer, wie der Umgang mit den gefürchteten Hühnern, aber mit der Zeit gelingt Elsa der Spagat zwischen Angst und Durchhaltewillen immer besser, sie beginnt das Land zu mögen, den Himmel, die Weite, auch der Frau kommt sie näher.Immer wieder erscheinen Elsa in der Nacht und auch in Tagträumen Bilder von Sola, die sie vermisst, was genau geschehen ist, kann man mehr erahnen als lesen, aber das ist nicht schlecht, die eigene Fantasie wird immer wieder mit ins Geschehen gezogen. Auch auf dem Bauernhof gibt es einen blinden Fleck, der nicht berührt werden darf, und das ist Steinunn, die Schwester von Ólafur und Skúli, von der nicht gesprochen wird. Elsa glaubt, sie sei tot, ertrunken beim Angriff der Deutschen auf einen Passagierdampfer vor Island.Mehr will ich hier nicht preisgeben, obwohl es schon mindestens 150 Rezensionen im Internet gibt, von denen einige sehr freigiebig mit dem Inhalt umgehen. Spoilern nennt man das wohl, ich halte es so, dass ich spätestens ab der Mitte eines Buches schweige wie ein Grab.Mir ist dieses Buch sehr nahe gegangen, das lag sicher auch an der Umsetzung ins Hörbuch, die Sprecherin Maike Wördemann ist fantastisch, ich kann Elsas ¿Hühnerhaut¿ spüren und ihre eiskalten Hände und Füße, ich sehe sie reiten, stricken und Fisch essen, so ist ein echtes Kopfkino entstanden. Der erzählende Stil ist mit den vielen kurzen Sätzen, die manchmal stakkatoartig durch Absätze getrennt sind, lebhaft und nachvollziehbar. So spricht und denkt das Mädchen Elsa, selbst die Versuche, das Isländische über die Lippen zu bringen, sind glaubhaft, es hörte sich so echt an, wie nur irgend möglich. Und ich dachte beim Zuhören an meine Mutter, die als vierzehnjähriges, sehr zierliches Mädchen im Krieg zum Pflichtarbeitsdienst auf einen Bauernhof musste. Die Umstände könnten ähnlich gewesen sein.Das Cover ist zurückhaltend gestaltet, mich spricht es mit den nordländischen Farben sehr an, das Buch sieht einfach schön aus, ist sogar mit einem Lesebändchen versehen. Hätte ich es nicht schon gehört, würde ich es sofort auch noch kaufen.Fazit: Katrin Zipse macht mit einem unbekannten historischen Geschehen bekannt und hat gleichzeitig einen hinreißenden Roman geschrieben über Verluste, Liebe, Ablehnung und Zuneigung, Fremdsein und Ankommen in einer neuen Welt. Ich empfehle diese Lektüre sehr, als Hörbuch ist sie aus meiner Sicht noch authentischer. Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.