Darrow arbeitet als Roter in den Minen des Mars, um ihn zu terraformen. Bei einem tragischen Ereignis stirbt seine Frau und er erfährt, dass der Mars längst terraformt wurde. Getrieben von Wut schleust er sich daraufhin in das Institut der Goldenen ein.Auch von der "Red Rising"-Reihe habe ich viel Gutes gehört und den Hype mitbekommen, so dass ich mir dieses Buch auch mal angeschaut habe.Es beginnt emotional und packend. Das Hierarchiesystem der Farben mit den ganz unten stehenden Roten und den fast gottgleichen Goldenen ist ein interessanter Ansatz und Darrows Geschichte als Roter, der quasi erfährt, dass er sein Leben lang belogen wurde und nun selbst zum Goldenen wird, um Rache zu üben und das System zu stürzen, klingt auch durchdacht.Dafür ist der Rest des Romans eine eiskalte Dusche der Ernüchterung. Denn es lässt sich erschreckend schnell zusammenfassen: Jugendliche spielen Krieg. Der Mars ist in Häuser eingeteilt und es wird ein Capture The Flag-ähnliches Spiel gespielt. Es zählen Intrigen, Gerissenheit und vor allen Dingen rohe, stumpfe Gewalt. Angesichts dessen bin ich fast schon schockiert, dass "Red Rising" teilweise auch als Jugendbuch gehandelt wird. Da muss man sich doch wirklich mal fragen, welche Werte da vermittelt werden sollen.Charakterentwicklungen sind in jeglicher Hinsicht Fehlanzeige und würden auch nicht belohnt werden. Wozu auch Entwicklung, wenn man mit roher Gewalt eh am Besten fährt? Darrow bekämpft Leute, sie bekämpfen ihn und dadurch schart er eine Armee um sich, die ihm wie treudoofe Hunde hinterher dackelt. Er wird auch quasi als Held und gottgleicher Übermensch dargestellt, der Fallen und Intrigen sofort erkennt. Dass der Lesende das auch erkennt - zweitrangig. Hauptsache Darrow tut es. Ganz ehrlich, einen derart widerlichen, arroganten und selbstgefälligen Protagonisten hatte ich auch schon lange nicht mehr gelesen. Er ist ironischerweise genau das geworden, was er nie werden wollte und ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er das reflektiert, im Gegenteil.Nachdem ich zum ebenfalls gehypten "Fourth Wing" auch schon eine ambivalente Meinung hatte, frage ich mich nach der Lektüre von "Red Rising" ernsthaft, ob ich mir nicht konsequent auf die Finger klopfe, wenn ich Gefahr laufe, dass mich ein gehypetes Buch interessiert. Was für eine Enttäuschung nach so einem tollen Anfang! Viele Leute sehen da wohl etwas in diesem Roman, was ich nicht sehe - soll es so sein. Ich werde die Reihe abbrechen und über meine Haltung zu Hypes nachdenken.