Leider nicht geflasht
"Before Us" hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Eigentlich wollte ich Hardins Geschichte endlich komplett aus seiner Sicht erleben - intensiv, roh, emotional. Und ja, Anna Todd schreibt wie immer flüssig und mitreißend, sodass man schnell wieder in dieses Chaos aus Gefühlen hineingezogen wird. Hardins Innenwelt ist definitiv der stärkste Teil des Buches.Aber genau dort verliert sich die Geschichte leider. Statt eines klaren Fokus auf Hardin öffnen sich plötzlich unzählige Nebenperspektiven: frühere "Opfer", Freunde, Figuren, die nur am Rand der Reihe standen. Diese Kapitel wirken eher wie Fremdkörper und nehmen dem Buch genau das, was ich mir erhofft hatte - einen tiefen, durchgehenden Blick in Hardins Kopf. Dazu kommen viele ausgelassene Szenen, die für das Verständnis eigentlich wichtig wären. Manche Ereignisse springen einfach weiter, als hätte man ein paar Seiten verpasst.Ab der Mitte liest man im Grunde eine stark gekürzte Version von After Passion aus Hardins Sicht, was zwar der beste Teil des Buches ist, aber trotzdem zu oberflächlich bleibt. Genau die Momente, die wirklich neue Einsichten hätten geben können, fehlen. Und das Ende kommt abrupt, mit Zeitsprüngen und einer Stimme, die ich in diesem Buch überhaupt nicht erwartet habe.Unterm Strich: gut geschrieben, aber erzählerisch zu zerstückelt und zu lückenhaft. Für Fans der Reihe interessant, für mich aber nicht das Buch, das ich mir erhofft hatte.