Leider recht durchwachsen
Ich bin mit echter Neugier an dieses Buch herangegangen, gerade weil ich Sträters Bühnenhumor so schätze. Umso deutlicher merkt man hier, dass viele der Geschichten aus seiner frühen Schreibphase stammen. Der typische Wortwitz, den ich sonst so an ihm liebe, blitzt nur vereinzelt auf - oft wirken die Texte eher verschachtelt und schwerfällig.¿¿ Zwischen Ruhrpott¿Charme und zähen PassagenEinige Kurzgeschichten haben mir durchaus gefallen: sie tragen diesen warmen, leicht schrägen Ruhrpott¿Ton, der Sträter so unverwechselbar macht. Diese Kapitel lesen sich flott, sind unterhaltsam und manchmal sogar ein bisschen atmosphärisch.Andere wiederum ziehen sich spürbar. Manche Ideen wirken überdehnt, manche Wendungen vorhersehbar. Von Horror kann man kaum sprechen - die meisten Geschichten bleiben harmlos und verlieren sich eher im Absurden als im Grusel.¿ Stil & StrukturSträters verschachtelter Stil, der auf der Bühne wunderbar funktioniert, wirkt im schriftlichen Format manchmal sperrig. Gerade in den längeren Geschichten fällt das auf. Die Mischung aus 27 sehr unterschiedlichen Texten sorgt zwar für Abwechslung, aber auch für starke Qualitätsschwankungen.Ein paar Highlights gibt es dennoch - etwa "Der Geruch von Blau", das für mich zu den stärkeren Beiträgen gehört.¿ Für wen funktioniert das Buch?Fans von Sträters Bühnenhumor werden hier eher enttäuscht.Liebhaber echter Horrorliteratur vermutlich ebenfalls.Wer Lust auf skurrile, teils absurde Kurzgeschichten hat, findet ein paar gelungene Perlen - aber eben auch viel Durchschnitt.¿ Mein FazitIch mag Sträter wirklich sehr, aber dieses Buch hat mich nur phasenweise abgeholt. Einige Geschichten sind charmant und unterhaltsam, andere schlicht langatmig. Als Gesamtwerk bleibt es für mich durchwachsen - mit Lichtblicken, aber ohne echten Sog.