versprüht den Charme alter Horrorstreifen, wurde wie erhofft sehr gut unterhalten
Eigentlich könnte man meinen, dass Geschichten über Exorzismen, dämonische Besessenheit und verfluchte Häuser längst alles erzählt haben. Doch ich habe einfach eine Schwäche für genau diese Art von Horror. Selbst wenn viele der Motive vertraut sind, verlieren sie für mich bei einer gelungenen Umsetzung nichts von ihrer Wirkung. "Das Haus des Exorzisten" von Nick Roberts hat mir dahingehend einmal mehr gezeigt, dass es von schaurigen Häusern niemals genug geben kann - denn guter Horror braucht nicht zwangsläufig komplett neue Ideen, um zu funktionieren. Kommen wir aber doch zuerst einmal zum Inhalt: 1994 kaufen Nora und Daniel Hill ein altes Farmhaus in den Hügeln von West Virginia. Zusammen mit ihrer 15-jährigen Tochter Alice verlassen sie Ohio und ziehen aufs Land. Zunächst sind sie von der Schönheit der Landschaft begeistert und freuen sich über das ruhige Leben. Das ändert sich jedoch, als sie erfahren, dass der frühere Besitzer ein Exorzist gewesen sein soll... Sie erkunden das Haus und entdecken im Keller einen geheimen Raum mit Kisten voller alter Videos und Tagebücher. Und da ist noch der Brunnen, der mit Brettern versiegelt und mit Kruzifixen umrandet ist. Als sie den Brunnen öffnen, bricht um sie herum die Hölle los. Selbst das Verlassen der Farm kann sie jetzt nicht mehr retten...Wer häufig Horror liest oder schaut, wird vieles davon bereits kennen. Der Autor erzählt hier im Grunde genommen also keine völlig neue Geschichte, doch die vertrauten Motive werden so stimmungsvoll und spannend umgesetzt, dass mich das beim Lesen überhaupt nicht gestört hat. Denn es braucht nicht immer etwas völlig Neues, um Gänsehaut zu erzeugen. Vielmehr kommt es darauf an, ob die Geschichte es schafft, die altbekannten Ängste erneut zum Leben zu erwecken.Wenn man allerdings besonders bildgewaltige oder anspruchsvolle Sprache erwartet, wird man hier vielleicht nicht ganz fündig. Das mag nicht jedermanns Sache sein, passte für mich aber erstaunlich gut zur Geschichte. Schon nach wenigen Kapiteln fühlte es sich an, als wäre ich mitten in einem klassischen Horrorfilm der 90er-Jahre gelandet, in dem jeder weiß, dass der Keller die denkbar schlechteste Idee ist und dennoch jemand beschließt, einen genaueren Blick hineinzuwerfen. Auf ruhigere Momente folgen immer wieder Szenen, die mit voller Wucht treffen. Dabei schreckt Nick Roberts auch vor expliziten und durchaus blutigen Darstellungen nicht zurück.Besonders gelungen fand ich hierbei ja die Atmosphäre. Von Anfang an liegt nämlich etwas Dunkles über der Geschichte. Ein kaum greifbares Gefühl von Gefahr schleicht durch die Seiten, wird mit jedem Kapitel stärker und wird immer wieder von kurzen aber intensiven Gänsehautmomenten durchbrochen. Der Autor nimmt sich Zeit, die Angst wachsen zu lassen, denn der eigentliche Horror entsteht nicht durch plötzliche Schrecksekunden, sondern durch eine düstere Atmosphäre, die sich zunehmend im Kopf des Lesers einnistet.Natürlich kann man darüber diskutieren, ob die Story vielleicht zu viele bekannte Horrorelemente vereint. Für mich hat die Mischung jedoch gut funktioniert. Denn auch wenn die Grundzutaten bekannt sind, fühlt sich die Geschichte nie wie ein bloßes Abarbeiten von Klischees an. Dafür sorgen letztlich die unerwarteten Momente, die immer wieder aus dem Schatten treten... Mit den Charakteren bin ich insgesamt ganz gut zurechtgekommen, auch wenn ich ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen konnte. Vor allem Daniels entspannte Art wirkte in einigen Situationen fast schon zu unbekümmert, und auch Nora blieb erstaunlich ruhig angesichts dessen, was sie erlebt hatte. Ganz ehrlich? Nach allem, was dort vor sich ging, wäre ich vermutlich keine Minute länger geblieben. Ich hätte meine Sachen gepackt und schleunigst das Weite gesucht.Es gibt aber auch durchaus Momente, in denen man die Geschehnisse hinterfragen kann. Hier und da wirkt der Kontext nämlich etwas holprig und manche Entwicklungen sind auch nicht vollkommen schlüssig oder komplett nachvollziehbar. Dennoch gelingt es dem Autor meist, diese kleinen Stolpersteine wieder aufzufangen. Zudem lebt die Handlung phasenweise gerade von dem, was unausgesprochen bleibt - von dem Unerklärlichen, dem Übernatürlichen und den Bildern, die erst in den eigenen Gedanken ihre wahre Gestalt annehmen.Über das Ende möchte ich auch gar nicht zu viel sagen, denn gerade hier würde jeder Spoiler zu viel verraten. Es hat mich überrascht, irritiert und nachdenklich zurückgelassen. Ich habe aber ehrlich gesagt noch nicht gänzlich entschieden, wie ich dazu stehe.Wer demnach mit den richtigen Erwartungen an dieses Werk herangeht und sich einfach "nur" gruseln und gut unterhalten lassen möchte, wird mit diesem Buch wahrscheinlich eine richtig gute Zeit haben. Ich konnte mir die gesamte Geschichte jedenfalls mühelos vorstellen. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, nicht zu lesen, sondern einem Horrorfilm zuzusehen, der sich Seite für Seite vor meinem inneren Auge entfaltete. Ich wurde zudem genauso unterhalten, wie ich es mir erhofft hatte, begleitet von einem beständigen mulmigen Gefühl, dass das Grauen niemals wirklich weit entfernt ist... "Das Haus des Exorzisten" versprüht somit den Charme alter Horrorstreifen und greift dabei bewusst auf bekannte Motive zurück. Nichts davon ist vollkommen neu, aber die Umsetzung stimmt einfach. Dementsprechend bin ich sehr gespannt, welche Schrecken die Fortsetzung bereithält.Und wenn ihr das Buch dann beendet habt, schaut vielleicht vorsichtshalber noch einmal nach, ob die Kellertür auch wirklich abgeschlossen ist...