Drei Jahrzehnte Denken, Komponieren und Ringen um eine Musik jenseits eurozentrischer Gewissheiten - verdichtet in einem Buch, das den Diskurs über transkulturelles Musizieren grundlegend verschiebt.
Sandeep Bhagwati, Komponist zwischen indischer und deutscher Tradition, prägt mit dem Sanskrit-Neologismus abdagatit ra - dem Verflechten von Klangbewegungsweisen - ein radikal neues Konzept. Seine Essays, Gedichte und Parabeln fragen nicht, ob sich Musiktraditionen begegnen sollen, sondern wie dies geschehen kann, ohne in Exotismus, Aneignung oder oberflächliche Fusion zu verfallen. Bhagwati seziert die verborgenen Machtstrukturen der westlichen Kunstmusik, die sich als universell begreift, während sie andere Traditionen zu folkloristischen Fußnoten degradiert. Er beschreibt sich als Native Alien" - zugehörig zu vielen Welten, ganz beheimatet in keiner - und macht diese Zwischenposition zur Quelle einer schonungslosen Klarheit. Sein Plädoyer für eine Provinzialisierung" der europäischen Musik öffnet den Blick auf ein rhizomatisches Netzwerk gleichwertiger Praktiken, das ko-kreative Missverständnisse nicht fürchtet, sondern als produktive Kraft begreift. Ein intellektuell elektrisierendes Werk, das Musikdenken und Weltdenken untrennbar verwebt.
Wie lässt sich Musik verschiedener Traditionen verflechten, ohne sie zu vereinnahmen? Sandeep Bhagwati verhandelt diese Frage in Essays, Gedichten und Parabeln aus drei Jahrzehnten. Als Komponist zwischen indischen und europäischen Klangwelten prägt er den Begriff abdagatit ra - das Flechten von Klangbewegungsweisen - und entwirft damit ein Denken jenseits von Fusion und Exotismus.
Bhagwati legt offen, wie die westliche Kunstmusik ihren Universalitätsanspruch aus kolonialen Strukturen speist, und zeigt, dass selbst die Avantgarde ihre eigene Traditionalität verleugnet. Er beschreibt die Existenz zwischen den Kulturen nicht als Verlust, sondern als Schärfung des Blicks. Seine Texte verbinden musikwissenschaftliche Analyse mit autobiografischer Reflexion, philosophischer Tiefe und literarischer Kraft.
Dieses Buch ist ein Werkzeugkasten für alle, die Musik als plurale Praxis begreifen wollen - Musiker, Kuratoren, Kulturwissenschaftlerinnen und wache Zuhörer, die bereit sind, vertraute Hierarchien des Hörens hinter sich zu lassen.