Das Cover und insbesondere der wunderschöne Farbschnitt machen das Buch zu einem echten Hingucker. Ehrlich gesagt war dies der Grund für mich, das Buch zu lesen, da das Genre eigentlich gar nicht meins ist. Schon optisch weckt das Buch Neugier und lädt dazu ein, die Seiten aufzuschlagen, ein gelungenes Design, das auf den Inhalt einstimmt.
Die Geschichte der drei Kawakami-Wahlgeschwister wird spannend und mehrperspektivisch erzählt. Nach und nach verweben sich die Erzählstränge und Zusammenhänge werden deutlich. Diese Struktur sorgt für beständige Spannung: Einzelne Puzzleteile erscheinen zunächst fragmentarisch, fügen sich aber im Verlauf zu einem stimmigen Bild zusammen. Die Umsetzung des Themas Identität, Familie und die Suche nach Zugehörigkeit gelingt dabei glaubwürdig und mit viel Fingerspitzengefühl.
Der Schreibstil ist klar und einfühlsam; er schafft es, unterschiedliche Perspektiven unterscheidbar und doch harmonisch zu verbinden. Sprachliche Bilder werden sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzt, sodass die Erzählung nicht überladen wirkt, sondern Raum lässt, um selbst mitzudenken und nachzufühlen.
Die Charaktere aus allen Teilen der Rainshadow City sind authentisch und berühren den Leser. Haru wird schnell zum Liebling: ein kluges, empathisches Kind, das noch eine große Rolle spielen soll. Auch die anderen Figuren sind vielschichtig gezeichnet sie handeln nachvollziehbar, manche Entscheidungen überraschen, andere schmerzen, aber stets wirken sie echt.
Dadurch entsteht eine emotionale Nähe, die das Lesen besonders macht.
Das Ende gibt Hoffnung und bleibt gleichzeitig offen, so dass ich gespannt auf den zweiten Band warte. Insgesamt ist das Buch für mich interessant, weil es trotz eines Genres, das mir sonst fremd ist, durch Gestaltung, vielschichtige Erzählweise und berührende Figuren überzeugt. Ein empfehlenswerter Auftakt, der Lust auf mehr macht.